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Andacht zum Jahresbeginn 2012

Pastor Stefan Reinhardt.


Nach dem Gottesdienst unterhalten sich zwei beim Kirchkaffee: Fragt der eine: „Na, wie hast du denn den Gottesdienst heute gefunden?“ Darauf der andere: „War nicht schwer, immer der Beschilderung ‚Parkhaus Friedrichstraße’ in die Friedrichstraße folgen und da beim Schild ‚Friedenskirche’ parken, und da ist dann der Gottesdienst, so habe ich ihn gefunden.“

Sicherlich nicht die Antwort, die wir auf diese Frage erwarten. Meist sagen wir ja da etwas anderes. „Erfüllend, langweilig, inspirierend, musikalisch gut oder nicht gut.“ Die Frage nach dem Gottesdienst ist immer die Frage nach dem eigenen Gefallen des Gottesdienstes. Wie der Gottesdienst uns gefällt, wie er ankommt in unseren Herzen und Köpfen. Interessanterweise wird in der Bibel an keiner Stelle gefragt, wie der Gottesdienst Menschen gefalle, sehr wohl aber wie der Gottesdienst Gott gefalle. Liest man nur einmal den Propheten Amos durch, so erkennt man, dass Gottes Urteil über den Gottesdienst nicht so günstig ausfiel. Nach biblischem Verständnis ist der Gottesdienst auch nicht ein Ereignis, welches sich an bestimmten Formen (seien sie nun „liturgisch“ oder „unliturgisch“) festmacht, sondern an bestimmten Haltungen des Menschen. Mit welcher inneren Einstellung feiern wir Gottesdienst? Mit welcher Haltung des Herzens? Auf was sind wir ausgerichtet? Auf ein Programm oder auf Gott?

Ja mehr noch – es kommt nicht nur auf die innere Haltung an, sondern auch darauf, wie diese Haltung Auswirkungen auf den Alltag hat. Paulus hat dies so ausgedrückt: „Wenn ihr an das übergroße Erbarmen denkt, dass ihr durch Gott erfahren habt, dann möchte ich euch, Schwestern und Brüder, ermutigen, den einzig entsprechenden Gottesdienst zu feiern: Gebt euch diesem Gott mit eurem Leib und eurem Leben hin.“ (Röm 12,1 nach der Übersetzung von Fred Ritzhaupt „Willkommen Daheim“).
Gottesdienst ist also nicht eine Frage des Findens, sondern des Gefundenwerdens. Sich finden lassen vom übergroßen Erbarmen Gottes. Um dann zu staunen! Über das große Erbarmen, die große Liebe Gottes in Jesus Christus! Um dann zu Handeln. Gottes Erbarmen, Gottes Liebe hat Auswirkungen. Im Alltag. Aber wie schwer tun wir uns manchmal, das, was wir am Sonntag hören, auch im Alltag zu erkennen und umzusetzen.

Deshalb machen wir mit bei der Aktion „Glaube am Montag“. Glaube am Montag ist eine Initiative aus über 70 Projektpartnern und Kirchen. Auch unsere Kirche, unser Gemeindebezirk macht mit. „Glaube am Montag“ könnte man auch übersetzen als Glaube im Alltag. Wie wirkt sich Gottes Erbarmen, seine Liebe im Alltag aus? Was bedeutet sie? Für mich und für andere? Besteht Glauben darin, dass ich mich nur von Gottesdienst zu Gottesdienst hangle? Manchmal können die Intervalle ja auch größer sein… Was ist, wenn der Gottesdienst mir nicht gefällt? Bricht dann mein geistliches Leben zusammen? Glaube am Montag will zum Gottesdienst am Sonntag einladen und zum lebendigen, fröhlichen, trostreichen Glauben im Alltag herausfordern. Gott möchte im Alltag erlebt werden. Glaube am Montag möchte herausfordern, seinen Glauben nicht für sich zu behalten, sondern an andere weiter zu geben. Mit Wort und Tat.
Somit lade ich Sie und Euch herzlich ein zur Jahresaktion „Glaube am Montag“. Lassen Sie sich ein als lebendiger Gottesdienst auf den Gott, der Sie in seinen Händen hält. Auch im Jahr 2012!

Mit herzlichen Segenswünschen!
Ihr/Euer Pastor Stefan Reinhardt